M27 der Hantelnebel im Sternbild Vulpecula (Fuchs)

M27 war mein erstes Projekt mit RGB- und Schmalbandaufnahmen der Sonderklasse…

In diesem Bild stecken Nächte an Belichtungszeit, genauer gesagt 65.400 Sekunden… welche ich in ca 5 Nächten gesammelt hab. Dazu kommen dann noch die Korrekturbilder. 1000 Bias (ich weiß, daß ist etwas übertrieben aber ich finde das g… 🙂 ), 200 Darks á 5min, und jede Nacht ca 50-100 Flats… aber dazu später mehr.

Der Hantelnebel hat mich fasziniert, da er Aussen sehr schwache Strukturen zeigt und zur Mitte hin extrem hell wird. Das ist auch der Grund, weshalb der so schwer abzulichten ist. Legt man Wert auf das Zentrum, sieht man nichts von der Aussenhülle, da die dann so stark Unterbelichtet ist. Belichtet man länger oder mit höheren Gain/Iso Werten, dann brennt das Zentrum aus und die Strukturen sind futsch…

Das ist vermutlich auch ein Grund weshalb man auf den meisten Bildern in Google keine Aussenschale sieht! Ich wusste ja auch nicht, dass es die überhaupt gibt…

Das erste mal sah ich die in einem Facebookpost des Astrokollegen und Freundes Marcel Drechsler. Ein wahrer Meister der Astrofotografie und der Bildbearbeitung!!!

Aber nun zurück zum Bild. Wie schon oben beschrieben besteht es zum einen aus mehreren RGB-Aufnahmen. 37×300″ mit der Asi1600mcc bei der ich den Sensor mittels integrierter Peltierkühlung auf -20°C gekühlt habe.

So sieht ein Rohbild aus, wenn es aus der Cam kommt:

M27 Roh (nur Debayerd)

Dann wird das Bild mit Darks, Bias und Flats korrigiert. (zu den Korrekturframes wird es noch einen eigenen Beitrag geben. Bald…) Das sieht dann so ähnlich aus wie das Rohbild, nur sind das Ausleserauschen und die Hotpixel der Kamera vermindert bzw im besten Falle verschwunden.

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.03.43.png
M27 Kalibriert

Im nächsten Schritt werden alle Bilder auf einander registriert, dh genau Stern auf Stern ausgerichtet und miteinander addiert. Das Addieren ist der sogenannte Stackingprozess.

M27 – stacked

gaaaaaanz leicht ist jetzt bereits die Aussenhülle zu erkennen! Die meisten Darstellungen im Internet, die man findet sehen so oder so ähnlich aus. Die schwarzen Ränder kommen von der Bildfelddrehung, die entstand da ich teilweise mit zwei Teleskopen gleichzeitig (eins für Schmalband, eins für RGB) auf einer Schiene belichtet hab und die Teleskope somit nicht mehr mittig auf der Montierung saßen. Aber, kein Problem, das Objekt ist ja eh kleiner und war Gott sei Dank immer im Zentrum. Ich hab beim nächsten Bild mal einen größeren Ausschnitt gewählt um M27 besser sichtbar zu machen.

M27 – stacked – crop

Nun geht es daran die Schmalbanddaten zu sammeln, zu kalibrieren und zu bearbeiten.

Beginnen wir mit den Aufnahmen die mit dem H-Alpha Filter gemacht wurden.

Ein H-Alpha Filter (kurz Ha) lässt nur die Lichwellenlänge des angeregten Wasserstoffes (H) durch. Diese liegt bei etwa 656nm.

Für das Titelbild oben habe ich 69x300sek Ha-Aufnahmen gemacht.

Eine Einzelaufnahme sieht so aus:

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.24.25.png
M27 – Ha Singleframe

Ja, Schmalbandaufnahmen werden ausschließlich in schwarz/weiß dargestellt.

Es geht dabei nur um die Strukturen! Werden mehrer Schmalbandfilter kombiniert (Hubble Palette oder Bicolor, auch davon wirds einen Beitrag geben) ordnet man denen eine Farbe (R,G oder B) zu. Hier werden die ja sowieso mit RGB Daten kombiniert.

Und so sieht eine kalibrierte Einzelaufnahme aus. Ich hab die mal etwas vergrößert und beschnitten. Selbst auf einer solchen Einzelaufnahme ist bereits die äußere Schale vom M27 erkennbar.

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.26.32.png
M27 – cali – singleframe

so sieht das ganze dann nach 5 Stunden und 45min Belichtungszeit aus:

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.35.17.png
M27 – Ha integration 69×300″

Das ganze wird dann noch mit Kurzzeitaufnahmen kombiniert. Ähnlich einer HDRaufnahme

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.35.27.png
M27 – Ha integration 40×120″

Weiter geht es mit dem nächsten Filter, nämlich dem Oiii-Filter (sprich O3).

Ein Oiii-Filter lässt nur die Lichtwellenlänge des zweifach ionisierten Sauerstoffs durch. Dieser liegt in etwa bei einer Wellenlänge von 500nm.

Hier mal ein Kalibriertes Oii Bild. Man sieht sehr schön den Unterschied zu Ha.

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.51.42.png
M27 – Oiii, singleframe – cali

Interessanter wird da schon die Integration vom 96×300″ Oiii Aufnahmen.

Man sieht hier sehr schön den Zugewinn an Details und leider auch die typischen Oiii-Probleme wie vermehrtes Rauschen und extreme Halos um die Hellen Sterne.

Ich hab wieder einen Ausschnitt gewählt um dies besser Sichtbar zu machen.

Bildschirmfoto 2018-02-20 um 21.54.30.png
M27 – Oiii integration – 96×300″

 

SO! Nun haben wir alle Daten zur Erstellung eines brauchbaren HaOiiiRGB_Bildes beisammen. Diese müssen jetzt “nur” noch richtig bearbeitet und zusammengefügt werden…

Für das Titelbild oben brauchte ich 2 – 14 😉 Anläufe um es richtig hinzubekommen… 🙁

Ja, ein gute Bild dauert eben etwas… Wie man das genau macht werde bald mal in einem eigenen Text oder sogar einem Video verfassen.

Gefällt euch mein Bild und der ganze Beitrag freue ich mich sehr über ein like und einen Kommentar. Sollte etwas dabeisein, dass du echt scheisse findest bitte ich dich, dies mir auch mitzuteilen!!!

In diesen Sinne wünsche ich allerseits Clear Skies!!!

Euer Mario

 

 

 

 

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